“Mensch”?

“Wieso nennst Du Dich Mensch?”

Menschen sind so unvorstellbar verschieden. Das einzige, was wir alle wirklich gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass wir “Menschen” sind. Denn nur das sind wir wirklich alle: Menschen. Man braucht nur “Mann” oder “Frau” sagen, und schon spaltet man die gesamte Menschheit einem Abgrund gleich in zwei große Teile mit unzähligen Schattierungen und Unklarheiten dazwischen. Man braucht nur an Haut- oder Haarfarben denken, oder den Wohnort, oder Glaubensrichtungen, oder die Sprache die sie sprechen, und schon zersplittert sich die gesamte Menschheit in große und kleine Grüppchen mit massiven Unterschieden im Körper und im Geiste. Nur eines haben sie alle gleich: Sie sind Menschen.

Jedoch: Was macht Menschen so besonders? Sind sie wirklich die Krone der Schöpfung – oder eher eine gigantische Ansammlung an winzig kleinen Zahnrädchen, die die Welt zerfressen, die sie doch eigentlich für das Heil ihrer Urenkel bewahren sollten?

Was ist menschlich? Was ist unmenschlich? Was muss man tun, um ein guter oder ein schlechter Mensch zu sein? Was ist ein Unmensch? Sind schlechte Menschen oder Unmenschen weniger Mensch als gute?  Und was muss ein Mensch tun, um gut zu sein? Und wer legt eigentlich fest, was gut oder schlecht ist?

Menschwerdung. Wie kann man etwas werden, was man nur sein kann, wenn man es ist? Kann man menschlich werden? Menschlicher, als man eh schon ist? Ist man nur dann ein vollwertiger Mensch, wenn man sich nahtlos in eine Gesellschaft von Menschen einfügt und die Dinge tut, die irgendwann irgendwer festgelegt hat als die Dinge, die Menschen nunmal tun müssen?

Sie sind so faszinierend, diese Menschen. Wie sie gebrochenen Schallplatten gleich immerwährend ihr eigenes Leid wiederholen und glauben, es müsse so sein. Wie sie strampeln und kämpfen, für ein besseres Morgen. Wie sie singen, weinen, lächeln und tanzen. Wie sie Dinge zerstören. Wie sie Dinge aufbauen. Wie sie sich selbst aufgeben. Wie sie Neues beginnen. Wie sie sich selbst ängstigen mit absurden Überzeugungen in ihren Köpfen, an die sie so fest glauben, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, dass sie sich irren könnten. Wie sie krankhaft versuchen, etwas zu sein, was sie nicht sind. Wie sie völlig übersehen, wie wunderbar sie genau so sind wie sie sind, wenn sie sich trauen würden, einfach nur sie selbst zu sein.

3 Gedanken zu ““Mensch”?

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