Wurde mal wieder Zeit für ein kleines Geschichtchen (oder sowas ähnliches).
Stellt euch vor: Ich habe vorhin doch tatsächlich noch vor dem ersten Kaffee angefangen aufzuräumen. Ist heute der zweiunddreissigste dreizehnte oder so?
Aber darum geht’s hier nicht. Sondern um Folgends:
Nichtmal in Ruhe Kaffee trinken darf man hier. Wieso? Na…
„SSssssss…“
Da ist doch tatsächlich so ein kleiner Schnösel in meine Wohnung eingeflogen und stört. Und wie der beim Fliegen mit dem Hintern wackelt! Als wäre er noch jung und knackig undsozeugs.
Schnurstracks auf meine Nase will er. Ich haue mit einem Teelöffel nach ihm, treffe jedoch nicht, und er setzt sich auf den Monitor.
„Watt machssste da?“, fragt er, und streckt mir ein langes haariges Bein entgegen.
„Das könnte ich Sie genausogut fragen. Und behalten Sie Ihre Körperteile bitte bei sich.“
„Nee“, er lacht und reibt sich die Bartstoppeln.
„Du sssach ma, wieso zuckssste noch?“, fragt er grinsend. Ist das etwa eine Zahnlücke? Ich verziehe das Gesicht.
„Wie bitte?“
Er rollt mit den Glubschaugen, seufzt angestrengt und dreht sich auf den Rücken. Fauler Lump.
„Na, eben warste noch mausetot. Und zwar janz schön lange. Ick bin nur kurz raus für kleene Herren. Dann komm ick zurück und Du sitzt hier rum und kippst Dich voll mit so’m Fusel, der Deinen Geschmack total verhunzt.“
Ich wölbe eine Augenbraue und denke kurz nach. Das kann doch nicht sein Ernst…
„Und, darf ick?“
„Bitte was?“
„Na… anfangen.“ Er streckt die Zunge heraus.
„Äh…“
„Also ‘n bisschen schwer von Begriff biste aber schon, wa?“
„Ist normal, so vor dem ersten Kaffee und so.“ Höflich bleiben fällt mir zunehmend schwieriger.
„Najut, zujejeben, ich bin’s ooch nich jewohnt, dass meen Essen mit mir spricht. Scheint ein besonderer Tach zu sein heute, wa?“
„Sie meinen, außer, dass heute Sonntag ist?“
„Jenau.“
Ich zucke mit den Schultern und verwerfe den Gedanken, mit dem neben mir liegenden Hammer nach dem dicken Herrn zu schlagen. Den Monitor brauche ich noch. Den dicken Herren eher weniger. Ich fantasiere, wie er wohl aussähe, würde ich ihn mit Tesafilm fesseln und den Katzen zum Spielen hinwerfen.
„Biste Dir sicher, dasste noch lebst?“, fragt er und kneift seine Glubscher ein wenig zu.
„Aber natürlich lebe ich noch!!“
„Biste Dir wirklich sicher?“
Ich seufze und denke an Shakespeare. Sein oder nicht sein – das klärt sich für mich für gewöhnlich erst nach dem dritten Kaffee. Ob alte Fliegenherren sowas kapieren?
Öh, ich versuch’s erst gar nicht.
„Sowatt aber ooch…“ Endlich dreht er seinen haarigen Bauch von mir weg.
„Könnten Sie jetzt bitte meine Wohnung verlassen?“, zische ich und nippe demonstrativ an meiner Kaffeetasse. Beschäftigt tun kann ich gut.
„Watt? Wieso das denn?“
„Weils meine ist?“
„Das isss keen Argument.“
Ich zögere kurz. „Doch. Hausrecht und sowas.“
Er scheint nachzudenken.
„Wie ooch immer, ick bin mir sicher, Du warst eben noch tot. Und Hunger hab ick immer noch.“
„Mir doch egal.“
„Na, halt wenigstens still, dauert ja nich lange.“
„Nö.“
„Doch, doch, ick bin nämlich der Meinung, Du tust nur so, als wärste nu doch nich tot. Wie dieses Bärtierchenzeug, nur andersrum.“ , brummt er und umschwirrt mein Gesicht.
IKEA-Kataloge sind hervorragend, um sich gegen aufdringliche Fliegenherren zur Wehr zu setzen. Eigentlich unfair, dass dieser kleine fette Flugmops fliegen kann und ich eher eine verdreifachte Erdgravitation unterm Hintern habe, doch ich behalte die Fassung.
Seufz.
Ich denke, ich werde ein Schild an meine Balkontür kleben mit der Aufschrift: „Ich bin nicht tot, ich hatte nur noch nicht genug Kaffee.“ Ein bisschen wie Frau Wetterwachs von Terry Pratchett. Aber ob Herr Fliege überhaupt lesen kann? Ich überlege kurz. Verwerfe den Gedanken. Eine Tasse geht noch.